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A day in the denim kitchen


An einem kalten, schneereichen Februartag reiste Gina Tricot nach Malatya im Osten der Türkei, um bei einem unserer Denim-Anbieter Wissenswertes über die Jeansproduktion zu erfahren.  Engin, seines Zeichens Leiter für Produktionsplanung und Marketing, führte uns durch das neuste Werk des Unternehmens und weihte uns in die Geheimnisse der Jeansproduktion ein.

Insgesamt werden an den Produktionsstandorten Malatya und Istanbul jeden Monat 450.000 Jeans hergestellt.

 

Wie viele Produktionsschritte sind erforderlich, um eine Jeans herzustellen?

Wir teilen die Fertigung in 4 Hauptschritte auf: Zuschnitt, Nähen, Waschen und Endbearbeitung. Der Nähprozess besteht aus 14 Einzelschritten. Beim Waschen haben wir abhängig von der Optik des Endprodukts bis zu 9 Unterschritte.

Endbearbeitung bedeutet, dass die Jeans mit Etiketten, Nieten, Knöpfen usw. versehen wird.

 

Wie viel Wasser wird für den Waschvorgang verbraucht?

Der Wasserverbrauch liegt zwischen 40 und 50 l pro Jeans.

 

Gibt es Waschmethoden, die mehr Wasser erfordern als andere? Und wie kann man den Wasserverbrauch senken?

Für Vintage-, Stone-Washed- und Snow-Washed-Jeans sowie chemisch behandelte Jeans braucht man mehr Wasser. Der Wasserbedarf für Unwashed Jeans aus Raw-Denim ist geringer. Zudem gibt es heute neuartige Indigofarben, für die beim Bleichen weniger Wasser verbraucht wird. Relativ neu ist ein Verfahren, bei dem Jeans mit Ozon behandelt werden, was den Wasser- und Chemikalienverbrauch reduziert und dennoch für die gewünschte gebleichte Optik sorgt.

 

Kann ein Teil des für den Produktionsprozess benötigten Wassers wiederverwendet werden? Welches Wasserreinigungssystem wird in Ihrem Unternehmen verwendet? 

Leider ist es uns derzeit nicht möglich, das Abwasser wiederzuverwenden, stattdessen kombinieren wir mehrere Prozesse, um Wasser zu sparen. Wir haben eine werkseigene 2-Stufen-Aufbereitungsanlage, zudem wird das Abwasser des gesamten Industriegebiets in einer gemeinsamen 3-Stufen-Anlage gereinigt.[1][1] Das so aufbereitete Wasser wird dann zum Bewässern der hiesigen Aprikosenplantagen verwendet. 

 

Welche Anforderungen haben Regierung und Kunden an die Abwasserqualität?

Sowohl die türkische Regierung als auch unsere Kunden stellen sehr hohe Anforderungen. Die Regierung prüft regelmäßig die Wasserqualität in unserem eigenen Reinigungssystem und in der gemeinsamen Aufbereitungsanlage. Sind die Werte schlecht, müssen wir hohe Strafen bezahlen. Die Regeln sind für alle Industriebetriebe in diesem Gebiet gleich.

 

Welche Chemikalien verwenden Sie hauptsächlich? Welche Behandlungsmethoden überwiegen?

Die am häufigsten verwendeten Chemikalien sind Natriumcarbonat, Alpha-Amylase, Calciumhypochlorit, Natriumhypochlorit und Kaliumpermanganat. Wir setzen aber auch Enzyme und Weichmacher ein.  Zu den häufigsten Behandlungen zählen die Enzymwäsche, verschiedene Bleichmethoden, das Stonewashing und manuelle Abriebmethoden.

 

Wie überprüfen Sie Ihre Chemikalien und woher beziehen Sie sie?

Alle von uns verwendeten Chemikalien erfüllen den REACH-Standard, und unsere Zulieferer überprüfen regelmäßig die Einhaltung der entsprechenden Vorgaben. Im Auftrag unserer Kunden testen wir die fertigen Kleidungsstücke, um sicherzustellen, dass alle Auflagen eingehalten wurden. Wir beziehen die Chemikalien aus Italien und Deutschland.

    

Der Einsatz von Sandstrahlern ist in der Türkei seit 2009 verboten. Welche Methode verwenden Sie stattdessen? Was sind die Vor- und Nachteile?

Wir setzen schon seit 2007 keine Sandstrahler mehr ein. Stattdessen behandeln wir den Stoff chemisch mit Kaliumpermanganat,

um den gewünschten Used-Look zu erzielen. Das Sandstrahlen hat den Vorteil, dass keine Chemikalien erforderlich sind, aber natürlich war das Sandstrahlverbot unumgänglich, um zu verhindern, dass Arbeiter an Silikose erkranken.

 

Welche Wasch- und Behandlungsmethoden sind am umweltfreundlichsten? Welche erfordern den höchsten Arbeitsaufwand?

Unbehandelte Jeans, sogenannte Rinse-Washed-Jeans, belasten die Umwelt weniger und erfordern den geringsten Arbeitsaufwand. Auch das Vorwaschen mit Ozon ist umweltverträgliche als klassische Waschmethoden. Je weniger gebleicht und verschlissen die Hose, desto geringer der Arbeitsaufwand und die Umweltbelastung. Leider geht der Trend derzeit zum Vintage-Look – helle Jeans mit Abriebstellen sind sehr angesagt.

 

Wie hat sich die Fertigung in den letzten Jahren verändert? Was tun Sie, um die Produktion nachhaltiger zu gestalten?

In den letzten Jahren ist viel passiert. Wir haben uns sowohl nach BSCI als auch Sedex zertifizieren lassen. Wir haben eine CSR-Abteilung gegründet, um aktiv an Fragen der Nachhaltigkeit zu arbeiten.  Durch die Eröffnung unseres zweiten Werks benötigen wir weniger Subunternehmen und haben so eine bessere Kontrolle über den gesamten Fertigungsprozess. Wir haben begonnen, verstärkt biologisch abbaubare Chemikalien zu verwenden, und alle von uns verwendeten Chemikalien erfüllen die Auflagen der REACH-Verordnung.

Des Weiteren setzen wir immer häufiger Ozon zum Bleichen der Jeans ein, was die Umwelt weniger belastet als herkömmliches Bleichmittel.

 

Wie schätzen Sie die Zukunft von Denim und der Denim-Produktion ein? Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Da das Bewusstsein von Kunden, Verbrauchern und unabhängigen Organisationen stetig steigt, werden immer höhere Anforderungen an nachhaltige Produktionsmethoden gestellt. Aus diesem Grund freuen wir uns, dass jedes Jahr bessere Maschinen und mehr umweltfreundliche Lacke und Chemikalien auf den Markt kommen. Wir sind zuversichtlich, dass eine nachhaltige Jeansfertigung in jedem Arbeitsschritt umsetzbar ist, aber dazu müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen.