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INDIA – A MIX OF ANCIENT TRADITION AND MODERN TECHNOLOGY


Indien ist ein wichtiges, aber nicht sonderlich großes Bezugsland für Gina Tricot. In Indien lassen wir vor allem Blusen und Kleider, aber auch Schals und Tücher fertigen. Die meisten unserer Zulieferer sind in und bei Neu-Delhi und in der zweitgrößten Stadt Mumbai ansässig. Die Textilindustrie hat in Indien eine lange Tradition. Die Wurzeln der Web-, Färb- und Stickkunst reichen weit zurück, und die heutige Industrie ist noch immer deutlich von traditionellem Handwerk geprägt. Daher sind in Indien gefertigte Kleidungsstücke häufig etwas empfindlicher als andere und sollten sorgsam behandelt und gepflegt werden, damit sie ihre Schönheit lange behalten. Auch der Preis kann etwas höher sein als bei andernorts produzierten Textilien, was wir im Hinblick auf den Fertigungsaufwand aber absolut gerechtfertigt finden. Dass wir Kleider mit Perlen tragen, die ein anderer Mensch für uns von Hand aufgestickt hat, ist eine Ehre und Alltagsluxus! Wir haben uns mit unserer Einkäuferin für Webwaren über das Thema Indien und die indische Textilindustrie unterhalten.

Welche Produkte beziehst du vornehmlich aus Indien und wie würdest du die Spezialkompetenz der indischen Textilindustrie im Vergleich zur chinesischen beschreiben?
Indien hat seine Stärken bei vor allem dünneren Baumwollqualitäten wie Voile, Batist und Gaze. Auch durchgehend bestickte Stoffe, zum Beispiel Kleidungsstücke mit Lochstickereien, weisen eine hervorragende Qualität auf. Zudem ziehe ich Indien als Bezugsland für alle Kleidungsstücke mit aufwändiger Bearbeitung vor, hierzu gehören beispielsweise mit Perlen und Stickereien verzierte Teile. Hier ist Indien einfach unschlagbar. Kein anderer Markt kann mit diesen handwerklichen Fähigkeiten mithalten. Dass Indien eine reiche Handarbeits- und Handwerkstradition hat, ist nicht zu übersehen. Die Menschen hier sind enorm kreativ und haben ein fantastisches Feingefühl für Farben und Formen. Während Chinas Stärke in der präzisen Lieferung nach detaillierten Vorgaben liegt, können unsere indischen Lieferanten anhand von einfachen Bildern oder Skizzen fantastische Kreationen zaubern.

Was muss man bei der Zusammenarbeit mit indischen Lieferanten beachten? Wie funktioniert die Zusammenarbeit und wie empfindest du die indische Geschäftsmentalität?
Alle Inder, die ich bei meiner Arbeit kennengelernt habe, waren extrem großzügig, humorvoll, warmherzig und freundlich. Ihre positive Denkweise führt bisweilen zu Fehleinschätzungen bei der Berechnung von Durchlaufzeiten.  Sie unterschätzen gelegentlich den Zeitaufwand, daher sollte man immer etwas Luft einplanen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Infrastruktur des Landes begrenzt ist und dass Produkte mit einem hohen Anteil an Handarbeit in der Optik variieren können. Man kann keine exakt identischen Exemplare erwarten, aber genau das macht ja auch einen Teil des Reizes aus.

Du arbeitest schon seit vielen Jahren mit indischen Lieferanten zusammen. Wie hat sich die Textilindustrie deiner Meinung nach verändert?
Vor allem in den letzten zehn Jahren ist viel passiert. Vieles hat sich verändert. Zahlreiche Lieferanten haben in neue Werke außerhalb der Städte und in moderne Technik investiert. Ich sehe ein wachsendes Fachwissen auf dem Gebiet der Fertigungsplanung und ein besseres Verständnis der Lieferanten für unsere Wünsche.  In großen Städten wie Delhi und Mumbai hat sich die Infrastruktur stark verändert, es gibt neue Straßen, Flughäfen und öffentliche Verkehrsmittel. Die indische Mittelschicht wächst, und die westlichen Einflüsse auf Mode, Essen und Kultur werden stärker.  Heute findet man in allen größeren Städten eine wachsende Anzahl von großen Einkaufszentren und Fast-Food-Ketten. Das gab es vor fünfzehn Jahren noch nicht.

Welche Herausforderungen siehst du für die Zukunft?
Korruption ist nach wie vor ein weit verbreitetes Phänomen in Indien. Noch immer ist ein Großteil der Bevölkerung sehr arm und lebt in ländlichen Gebieten, in denen es nur begrenzten Zugang zu Infrastruktur und Ausbildung gibt. Der Analphabetismus ist weit verbreitet, und die wirtschaftliche Ungleichheit in der Gesellschaft wächst.

Man darf gespannt sein, wie die weitere Entwicklung Indiens verläuft. Trotz zahlreicher Herausforderungen sehen wir bei Gina Tricot ein großes Potenzial für die Fortsetzung unserer Zusammenarbeit mit indischen Lieferanten. Viele Lieferanten sehen positiv in die Zukunft und investieren große Summen in ihre Unternehmen – eine Maßnahme, die sich auszahlt. Manche Probleme wie zum Beispiel variierende Qualität und Lieferverzug haben stark abgenommen. Die Produkte sind besser und die Industrie meistert auf einzigartige Weise den Spagat zwischen alten Handwerkstraditionen und modernen Fertigungsmethoden. Wir sind zuversichtlich, dass die Entwicklung weiter in die richtige Richtung geht.